Zusammen schreibt sich’s besser

Die Schreibwerkstatt in Gorbitz ist Treffpunkt für die Autoren von morgen

Von Andrea Schawe

Die Schriftstellerin Cornelia Eichner lässt sich im Lesegärtchen am Leutewitzer Ring inspirieren.Foto: André Wirsig

Die Schriftstellerin Cornelia Eichner lässt sich im Lesegärtchen am Leutewitzer Ring inspirieren. Foto: André Wirsig

Auf dem Tisch stapeln sich Gedichtsammlungen und Erzählungen. Die hat Cornelia Eichner in den letzten 14 Jahren veröffentlicht. Und es sollen noch mehr werden. „Momentan arbeite ich an einem Roman“, sagt die Schriftstellerin. Und das nicht allein. Denn Eichner hat jetzt die erste Gorbitzer Schreibwerkstatt gegründet.

Seit März treffen sich die Autoren einmal im Monat im Quartiersmanagement auf dem Leutewitzer Ring 35. Etwa zehn Hobbyschreiber lesen und diskutieren zusammen die eigenen Texte. „Das ist eine gute Gruppenstärke zum Arbeiten“, sagt Eichner. Die 40-Jährige moderiert die Werkstatt. „Ich bin aber kein Lehrertyp“, erklärt sie. „Das heißt, ich unterrichte nicht und vermittle auch keine Methoden.“ Es gehe um den kreativen Prozess. „Ich selbst habe gemerkt, dass ich beim Schreiben Hilfe brauche“, sagt die Cottaerin. „Ich muss einfach darüber reden.“

Die gebürtige Zwickauerin schreibt schon seit fast 20 Jahren. 1993 wurde erstmals ein Gedicht von ihr veröffentlicht. Aber ein Faible für Sprache hatte sie schon immer. „Schon als Kind habe ich für mein Tagebuch Tiergeschichten erfunden“, erzählt die studierte Pädagogin. Auch die meisten Kollegen in der Schreibwerkstatt schreiben schon länger. „Wir haben aber auch eine Autorin, die gerade erst anfängt“, sagt Eichner. Zu erzählen gebe es genug. Besonders in Gorbitz. „Der Stadtteil ist spannend und lebendig“, so Eichner. Besonders das Niveau der Autoren hat die Schriftstellerin überrascht. „Die Texte sind sehr gut“, sagt sie. Deswegen plant sie auch eine Lesung. Die Schreibwerkstatt will unter anderem beim Gorbitzer Adventskalender ihre Werke vortragen.

Die nächste Schreibwerkstatt findet am 12.September im QM-Laden statt.

(Sächsische Zeitung, vom Dienstag, 04.09.2012)

Die Sammlerin
Cornelia Eichner spielt mit bewahrten Gedanken und Erlebnissen
Sie beobachtet gern. Alles scheint interessant, einiges merkwürdig, vieles auch traurig. Egal, Cornelia Eichner will es sehen und hören. Gnadenlos. Denn irgendwann fügt sich Erlebtes zu einer Geschichte. So war es auch beim Kinderbuch „Der Sammler“. Als Sozialarbeiterin hat sie viel Zeit mit Schülern verbracht, etliche Begebenheiten, Reaktionen, Charaktere nicht vergessen – und schon waren die Hauptfiguren sehr authentisch erdacht. Heute macht sie nachhaltige Erfahrungen als Chat-Moderatorin.Ihr Thema: Angst. Und obwohl sie den Job nicht mit literarischer Absicht begann, entstand daraus ein neues Projekt: Eine Anthologie. Es ist mittlerweile ihre zweite thematische Textsammlung, zur ersten inspirierte ihr Lyrikband „… und flechte mir Tränen ins Haar“. Das alles klingt sehr nach Melancholie. Der Schein trügt jedoch. Cornelia Eichner ist keineswegs die Frau für den Weltschmerz, im Gegenteil. Voller Ideen und Tatendrang stürzt sie sich ins Zwickauer Leben, in die Geheimnisse der Internet-Programmierkunst und in immer neue künstlerische Experimente. So etwa in eine Hörspielproduktion mit Kindern. Da ist kein Platz für Niedergeschlagenheit, dafür aber für tiefe, ehrliche Gefühle. Jedes ihrer Bücher hat reichlich davon – und außerdem kommt keines ohne Katze aus. Am Anfang war es Zufall, mittlerweile ist es Masche. Trotzdem, so sagt sie, sei sie keine so ausgesprochene Katzenfreundin, wie es oft behauptet wird. Dass sie zu Hause unterdessen vier davon versorgt, war nie ihr Wille. Alles Fügung. Das wenigste in ihrem Leben ist geplant. Nicht mal der Werdegang als Autorin. Klar hat sie als Kind viel Spaß daran gehabt, eine Tiergeschichte zu schreiben. Klar hat sie 1993 mit einem Gedicht einen Preis gewonnen. Aber ein richtiges Buch? Dass nun schon drei Werke von ihr im Laden stehen, kann sie immer noch nicht richtig fassen. Aber die Mutter ist wahnsinnig stolz auf die Tochter. Und das ist Cornelia Eichner viel Wert.
Jenny Zichner
Quelle: http://www.stadtstreicher.de/Heft/Archiv/25788/


Happy Birthday
Noch kein Geburtstagsgeschenk für die kleine Schwester? Dieses Buch könnte dich retten, bevor die Panik dich exakt 24 Stunden vor der Feier packt. Einfach in der Bücherei bestellen, Papier und Schleife drum und mit einem süßen Ich-hab-Dich-lieb-Lächeln verschenken.

Die kleine Nervensäge sollte allerdings zwischen acht und zwölf Jahren sein.

Wenn sie dir in der nächsten Woche von Betty, Sophie, Lutz, Manne und einem seltsam fremden Mann mit merkwürdig schmuddeliger Kleidung erzählt, dann weißt du, dass sie dein Buch liest. Cornelia Eichner hat eine Kindergeschichte geschrieben, in der das Abenteuer vor dem tollen BMX-Rad kommt und die kindliche Improvisation vor der elterlichen Kreditkarte. Ihre Helden kennen sich aus der Schule, nicht aus einem Internat, in dem Ponyreiten der Zeitvertreib Nummer Eins ist. Und der Hund Socke, der vierbeinige Stratege an Mannes Seite, ist noch nicht mal halb so genial wie Lessy. Die hätte Socke, ein Mischling mit Struppelfell und der Eigenart, wenn´s brenzlig wird, in Ohnmacht zu fallen, sicherlich mitleidig beschnuppert. Doch Mitleid ist bei so viel Herz, mit dem Freundschaften, Teenagerträume und die erste Liebe beschrieben werden, völlig fehl am Platz. Dabei ist das Buch nicht nur sprachlich an dem Ton der Jugend orientiert, sondern auch spannend wie das Teenageralter selbst. Und irgendwie fordert es auf, selbst mal wieder ein Abenteuer zu erleben, die eigene Phantasie zu nutzen, ein Kostümfest zu organisieren oder ein Baumhaus zu bauen. Du wirst ja sehen, mit welcher Idee dich deine kleine Schwester in nächster Zeit nervt.

Autor: Heike

http://www.stadtstreicher.de/Heft/Archiv/25787/

 

~~~~~~~~~~~~

Cornelia Eichner: … Und flechte mir Tränen ins Haar

 

Der Mut zu Bildern, die der Phantasie des Alltäglichen entnommen sind, eindringlich, prägnant. Die literarische Szene in Deutschland zeigt wenige junge Autoren mit seiner solchen Sprachbegabung, mit einer hohen Empfindsamkeit bei der Analyse gesellschaftlicher Wirklichkeit und zugleich einer solch gesellschaftlichen Ahnung von Hoffnung.

Natürlich, so analysiert z.B. Wolf Peter Schnetz die Lyrik der jungen Zwickauerin völlig richtig, überwiegt – ohne es in resignative Grundzüge umschlagen zu lassen – die Trauer und der Schmerz über die Erfahrungen des Alltags, die Verletzlichkeit von Frau und Mann in der Liebe, im Miteinander der Gesellschaft. „Solange Du Deine Füße / unter meinen Tisch / steckst,..“// Warum stellst Du denn auch / Deinen Tisch in mein Leben?“

Jede der lyrischen Arbeiten ergreift den Leser, der Zeit benötigt, die lyrischen und grafischen Angebote des Bandes zu erarbeiten. Der Verlag läßt ihm bewußt durch eine großzügige Anordnung der Arbeiten Lesemöglichkeiten und Lesenotwendigkeiten diesen Raum. Ein Buch voller Erleben, voll emotonalisierter Alltäglichkeiten. Die nur als großartig zu bezeichnenden grafischen Arbeiten von Kerstin Adler ergänzen den Prozeß der Suche, des Entdeckens von verbleibenden Wirklichkeiten, Wichtigkeiten, niemals vorgebliche Wahrheiten über die Alltäglichkeit. So gerät die Wirklichkeit trotz ihrer unverkennbaren Verletzung von Menschlichkeit doch zugleich zu einem Traum: „das pferd / scheuklappen tragend / dem pflug vorgespannt / zieht es alltäglich/die furchen tief / ins weltenanlitz // – und träumt dabei / von pegasus.“ Die junge Zwickauer Autorin und ihre junge Grafikerkollegin zeigen literarisch ihren Weg, die Welt neu und human zu erobern: „nimm / den offenen raum / breite ihn /aus atme / aus fühle / hier bist / du“.

Ein Lyrikband, der mehr als zu empfehlen ist. Keine unlesbare philosophische Tiefe, keine politische Schwarz-Weiß-Malerei oder esoterische Albernheit. Hier beweisen zwei junge Künstlerinnen die Lebenskraft und den Mut des eigenen – auch literarische/künstlerischen – Lebenswegs.

Vielleicht eines der ersten Anzeichen einer neuen Generation junger Autoren, die bereit sind, auf der Basis eines humanen, verantwortlichen Individualismus neue gesellschaftliche Positionen zu entwickeln.

 

B. Dhünn

Cornelia Eichner: ‚…Und flechte mir Tränen ins Haar. Gedanken-Bilder. Mit Grafiken von Kerstin Adler. Geest-Verlag, Sage-Haast 2000. ISBN 3-934852-11-4 / DM 16.80DM (Bestellungen portofrei ab Verlag: Tel.04435/1745)

(Oldenburger Stachel 4/00)

Advertisements